Reflexionen

Manchmal, über das Glimmen und das Bleiben

See mit Lichtreflexionen als Symbol für das Glimmen im Wandel

Zwischen Licht und Glimmen liegt die Lebendigkeit. Über den Weg von der Suche zum Ankommen, von der Sehnsucht zum Sein.

Es gibt Texte, die bleiben. Nicht, weil sie perfekt sind, sondern weil sie ein Stück unseres Weges mitgeschrieben haben. Sie verändern sich nicht durch neue Worte, sondern durch das, was wir im Laufe der Zeit verstanden haben.

Der Aufbruch

2014 war ein Anfang. Damals schrieb ich über das Leben im Rausch der Sinne. Mehr fühlen, mehr schmecken, mehr sehen. Es war ein Aufbegehren gegen das reine Funktionieren, ein Hunger nach Ganzheit, nach Berührung, nach Tiefe.

Ich suchte Erkenntnis, kletterte an der Leiter des Bewusstseins und schrieb fast wie ein Ruf an mich selbst: „Mensch, sei wachsam."

Heute würde ich sagen: „Mensch, sei milde mit dir."

Zwischen Aufbruch und Einkehr

Zwischen damals und heute liegt ein Jahrzehnt. Ein Jahrzehnt des Suchens, Fallens, Wiederaufstehens. 2014 wollte ich wissen, was Leben bedeutet. 2022 versuchte ich zu verstehen, was es mit mir macht. Und 2025 spüre ich, dass beides längst eins geworden ist.

Damals schrieb ich:

Manchmal leuchte ich hell, manchmal glimme ich nur. Manchmal bin ich stark, manchmal brauche ich Halt. Manchmal finde ich den Weg, manchmal stolpere ich. Manchmal gehe ich voran, manchmal bleibe ich stehen. Und manchmal sitzt da jemand am Wegesrand, reicht mir ein Pflaster, und bleibt.

Es gibt Phasen, in denen wir leuchten, und solche, in denen wir uns kaum selbst erkennen. Doch das Leben liebt beides. Es braucht Mut, nicht ständig zu brennen, und noch mehr Mut, trotzdem dazubleiben.

Ich habe gelernt, dass Begegnung nicht Verschmelzung bedeutet. Dass Nähe nicht Besitz heißt. Und dass das Schönste, was bleiben kann, oft das Unaufgeregte ist. Jemand, der einfach zuhört, versteht und bleibt.

Von der Liebe, die frei lässt

Es gibt Gedanken, die nicht von Suche handeln, sondern von Erinnerung. Von dem, was einmal möglich war und vielleicht in dieser Form nicht mehr wiederkehrt. Nicht, weil das Leben es verweigert, sondern weil Vollkommenheit selten zweimal die gleiche Gestalt annimmt.

Ich denke manchmal an eine Liebe, die sich selbst genügt, ohne sich abzugrenzen. Eine Nähe, die Freiheit lässt, weil sie sich vertraut ist. Kein Anspruch, kein Besitz, keine ständige Bestätigung. Nur zwei Menschen, die sich erkennen, weil sie sich selbst erkannt haben.

Ich bin kein Suchender, und ich warte auch nicht auf das Gefundenwerden. Ich lebe im Jetzt, mit wachem Blick für das, was sich zeigt. Wenn Begegnung geschieht, geschieht sie. Wenn nicht, bleibt das Leben trotzdem ganz.

Was ich weiß: wie sich Augenhöhe anfühlt. Wie Vertrauen klingt, wenn es ohne Bedingungen ist. Und dass es Zeiten gibt, in denen Nähe andere Formen annimmt. Freundschaft, Resonanz, stilles Verstehen. Begegnungen, die keine Ganzheit versprechen, sondern einfach menschlich sind. Sie gehören zum Fluss des Lebens wie das Atmen selbst.

Vielleicht ist das Liebe in ihrer reifsten Form: nicht das Verschmelzen, sondern das Wachsen nebeneinander. Nicht das Suchen nach dem Anderen, sondern das Werden im eigenen Sein. Eine Bewegung, die frei lässt und trotzdem bindet, weil sie aus Achtung geboren ist.

Das genügt. Denn das Leben ist kein Warten auf jemanden. Es ist das Wiedererkennen, wenn zwei Menschen in sich selbst angekommen sind und sich in diesem Raum begegnen, ohne einander zu brauchen, aber auch ohne sich zu fürchten.

Das Vermächtnis des Manchmal

Dann sind da jene anderen Zeilen, die bleiben, weil sie zu inneren Räumen gehören. Sie entstanden 2022, in einer Zeit, in der Abschied und Erinnerung ineinanderflossen:

Manchmal dachte ich darüber nach, wie es gewesen wäre, dich für immer an meiner Seite gehabt zu haben. Manchmal war dies ein schöner Traum. Manchmal hoffte ich einfach auf ein unendliches Hier und Jetzt. Manchmal verlor ich mich in einer Zukunft. Meistens war die Realität an meiner Seite und ließ nur wenig Raum für das Manchmal. Manchmal warst einfach nur du, was kurz zu einem Wir verschmolz. Manchmal spüre ich noch den zarten Hauch deiner alten Seele, verwandt und ergänzend, welcher sich vollständig meiner Kognition entzieht, unendlich tief in die Emotion eintauchend, neuen Raum erschaffend. Manchmal wünsche ich mir, diese neuen Räume mit dir zu entdecken, aber ich weiß, dass es meine Räume sind, die nur ich selbst mit Neuem erfüllen kann und werde.

Heute, im Oktober 2025, spüre ich: Alles war Teil desselben Weges. Manchmal bedeutet nicht Unsicherheit, sondern Lebendigkeit. Es ist das leise Pendeln zwischen Licht und Glimmen, zwischen Aufbruch und Ruhe, zwischen Sehnsucht und Sein. Und vielleicht ist genau dieses Schwanken das, was uns menschlich macht.

Ich lese meine alten Zeilen heute anders. Nicht mehr als Mahnung, sondern als Einladung. Zum Lächeln, zum Verzeihen, zum Leben. Und während die Sonne langsam sinkt und das Wasser sich in Gold verwandelt, denke ich: Manchmal genügt es, einfach da zu sein. Nicht mehr zu suchen, sondern zu spüren, dass man angekommen ist. In sich.