
Manchmal leuchten wir hell, manchmal glimmen wir nur.
2014 schrieb ich diese Zeilen als Ruf an mich selbst: Mensch, sei wachsam. Heute würde ich sagen: Mensch, sei milde mit dir.
Ein Jahrzehnt liegt zwischen damals und heute. Ein Jahrzehnt des Suchens, Fallens, Wiederaufstehens. Damals wollte ich wissen, was Leben bedeutet. Heute spüre ich, dass die Frage und die Antwort längst eins geworden sind.
Ich habe gelernt, dass Begegnung nicht Verschmelzung bedeutet. Dass Nähe nicht Besitz heißt. Und dass das Schönste oft das Unaufgeregte ist.
Jemand, der einfach zuhört, versteht und bleibt.
Manchmal denke ich an eine Liebe, die sich selbst genügt, ohne sich abzugrenzen. Eine Nähe, die Freiheit lässt, weil sie sich vertraut ist. Vielleicht ist das Liebe in ihrer reifsten Form: Nicht das Verschmelzen, sondern das Wachsen nebeneinander.
Ich bin kein Suchender, und ich warte auch nicht auf das Gefundenwerden. Ich lebe im Jetzt, mit wachem Blick für das, was sich zeigt. Wenn Begegnung geschieht, geschieht sie. Wenn nicht, bleibt das Leben trotzdem ganz.
Manchmal bedeutet nicht Unsicherheit, sondern Lebendigkeit. Es ist das leise Pendeln zwischen Licht und Glimmen, zwischen Aufbruch und Ruhe, zwischen Sehnsucht und Sein.
Und während die Sonne langsam sinkt, denke ich: Manchmal genügt es, einfach da zu sein. Nicht mehr zu suchen, sondern zu spüren, dass man angekommen ist. In sich.